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Anwendung von Fluorescein bei Katzen

In einem Mehrkatzenhaushalt kommt es häufig vor, dass harnmarkiert wird. In der Regel ist es nicht ganz einfach, den Verursacher sofort festzustellen. Es kann auch gut sein, dass es mehr als nur einen Verursacher für das Harnmarkieren unter in der Katzengruppe gibt.

Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten herauszufinden, welche Katze markiert, aber nicht alle Möglichkeiten sind in jedem Mehrkatzenhaushalt umzusetzen.

Z. B. folgende Möglichkeiten, um den Verursacher herauszufinden, gibt es:

  • Einer Katze nach der anderen den Zugang zur markierten Stelle nehmen.
  • Hier stellt sich dann die Herausforderung, dass die Katzen möglicherweise aus verschiedenen Räumen ausgesperrt werden, wenn es mehr als nur eine Markierstelle gibt.
  • Gibt es mehrere Verursacher, könnte ein Verursacher übersehen werden.
  • Das Aussperren verringert das Revier der Katzen erheblich und andere Verhaltensauffälligkeiten oder Stress kann in der Katzengruppe entstehen.
  • Auch der Halter wird in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
  • Einsatz einer Videokamera
  • Nicht jeder Halter verfügt über eine Videokamera.
  • Etc.

Da Katzenurin unter Schwarzlicht fluoresziert, kann man mithilfe einer kleinen Schwarzlichtlampe markierte Stellen manchmal besser finden als bei Tageslicht.

Um den Katzenurin deutlich fluoreszierend zu bekommen, gibt es die Möglichkeit der Katze Fluorescein oral zu verabreichen.

Sucht man im Internet nach Fluorescein kommt man auf den Hersteller Alcon Pharma GmbH. Bei weiterer Suche kommt man zu dem Ergebnis, dass Fluorescein – Handelsname Fluoreszein SE Thilo – in der Humanmedizin in der Augenheilkunde zur Diagnostik eingesetzt wird. Daher gibt es Fluorescein auch vorrangig als Tropfen.

Auf Nachfrage beim Hersteller Alcon Pharma GmbH, zur oralen Anwendung bei Katzen, bekam ich folgende Antwort:

… für diese Anwendung und auch Dosierung von Fluoreszein SE Thilo liegen uns keine Untersuchungen vor, sodass ich Ihre Anfrage nicht beantworten kann.

Eventuell kann Ihnen ihr Tierarzt detailliertere Auskunft dazu geben, es ist nicht unüblich dass Tiere mit Arzneimittel aus der Humanmedizin behandelt werden, da es sehr wenig Produkte auf dem Markt gibt, die für Tiere zugelassen sind. …

Vor Kontaktaufnahme mit dem Hersteller habe ich bei zwei Tierärzten, einer davon auf Katzen spezialisiert, nachgefragt und beide Tierärzte kennen Fluorescein. Aber beide haben übereinstimmend gesagt, dass sie den Einsatz im Rahmen der Augenheilkunde zur Diagnostik kennen, nicht aber um es einer Katze oral zu verabreichen.

Da ich im Rahmen der tierpsychologischen Ausbildung bei der ATN – Akademie für Tiernaturheilkunde ATN AG die Information zu oralen Gabe bei einer Katze in einem Skript gelesen hatte, habe ich versucht Kontakt zur Autorin aufzunehmen. Da es mich persönlich interessiert, wie es zur Anwendung von Fluorescein bei Katzen kam.

Die Autorin des Skripts habe ich leider nicht erreichen können. Über Umwege, die Schweiz, eine katzenpsychologische Kollegin und eine österreichische Tierärztin, bin ich dann auf den möglichen Ursprung der oralen Anwendung von Fluorescein bei Katzen gestoßen.

In einem veterinärmedizinischem Dokument von 2004 zum Thema „Feline House Soiling: Elimination and Marking Behavior“ (Kätzische Unsauberkeit im Haus: Ausscheidungs- und Markierungsverhalten) wird von der Verfasserin Jacqueline C. Neilson, DMV (Diploma in Veterinary Medicine) u. a. die orale Gabe von Fluorescein angesprochen. Die Gabe von Fluorescein soll dazu dienen herauszufinden, welche Katze oder Katzen markieren. Als Quellangabe gibt es dazu Folgendes:
Hart BL, Leedy M: Identification of source of urine stains in multi-cat households. JAVMA 180:77-78, 1982

Der Urin der Katze, die Fluorescein verabreicht bekommen hat, ist etwa 24 Stunden intensiver fluoreszierend als ohne die Behandlung.

Es gibt auch den Hinweis im Dokument, dass Fluorescein hilfreich ist, man aber vor der Gabe den Halter darauf hinweisen sollte, dass der Urin der Katze Flecken hinterlassen wird, die nicht einfach gereinigt werden können. Was bei Teppichen oder anderen Stoffen nicht sehr erfreulich für den Halter sein dürfte.

Der Hersteller kann zur Verabreichungsmenge und –dauer nichts sagen, da es dazu keine Studien/Erfahrungen gibt. Jacqueline C. Neilson gibt im Dokument 50 mg Fluorescein pro Katze oral oder subkutan 0,3 ml Fluorescein Injektion 10 % pro Katze an.

Im Beipackzettel (Stand Juni 2000) von Fluoreszein SE Thilo stehen folgende Informationen zur Zusammensetzung von 1 ml Lösung:
Arzneilich wirksamer Bestandteil: Fluorescein-Natrium 1,7 mg
Sonstige Bestandteile: Povidon K25, Natriummonohydrogenphosphat 12 H2O, Natriumdihydrogenphosphat 1 H2O, Natriumchlorid, Natriumhydroxid / Salzsäure 1N (zur Einstellung des pH-Wertes), gereinigtes Wasser

Ich bin kein Chemiker und kann daher nicht wissenschaftlich beurteilen, ob vorgenannte Zusammensetzung in irgendeiner Art und Weise für den Körper der Katze schädlich sein kann. Aber vom Bauchgefühl her würde ich keiner Katze humanmedizinische Augentropfen oral verabreichen. Der gleichen Meinung sind auch beide von mir zu diesem Thema angesprochenen Tierärzte.

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